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Komplexe Beschwerden & autonomes Nervensystem

Innere Unruhe und Erschöpfung: müde, aber nicht ruhig

Tino Both · · 7 Min. Lesezeit

Innere Unruhe und Erschöpfung: müde, aber nicht ruhig
Kurz erklärt: Erschöpft zu sein und zur Ruhe kommen zu können sind nicht dasselbe. Innere Unruhe mit Schlafproblemen kann durch verschiedene körperliche, psychische und alltägliche Faktoren entstehen. In meiner Arbeit interessiert mich deshalb nicht nur, ob du Entspannung versuchst, sondern wie dein System auf die konkrete Aufgabe reagiert.
Du bist müde – und selbst Entspannung fühlt sich nach Arbeit an?Im kostenfreien telefonischen Erstgespräch kannst du schildern, wann die Unruhe beginnt, was sie verstärkt und was bereits abgeklärt wurde. Gemeinsam prüfen wir, ob eine Begleitung mit Angewandter Neurofunktion in Vilshofen sinnvoll zu deinen bisherigen Schritten passt.

Deine Unruhe und Erschöpfung besprechen →
Der Tag ist vorbei. Dein Körper macht trotzdem weiter.
Du möchtest nur noch sitzen oder liegen. Gleichzeitig fällt dir das Stillwerden schwer. Gedanken springen weiter, der Brustkorb wirkt angespannt oder du kontrollierst ständig, ob die Entspannung schon einsetzt. Vielleicht kommt irgendwann der Gedanke: „Sogar Ausruhen kann ich offenbar nicht richtig.“
Das ist kein hilfreiches Urteil über dich. Körperliche Erschöpfung, Schläfrigkeit und innere Aktivierung können auseinanderfallen. Wer wenig Energie hat, schläft nicht automatisch leicht ein. Und ein angespanntes Gefühl bedeutet nicht, dass eine einzige „Blockade“ gefunden werden muss.
Warum „Du musst einfach runterfahren“ zu kurz greift
Zu wenig Schlafgelegenheit, anhaltende Belastung, Schmerzen, Medikamente oder Koffein können beteiligt sein. Ebenso verdienen Sorgen, belastende Erfahrungen und psychische Erkrankungen Aufmerksamkeit. Körperliche und psychische Aspekte sind dabei keine gegensätzlichen Erklärungen.
In der Angewandten Neurofunktion schaue ich genauer auf die Bedingungen: Beginnt die Unruhe nach visueller Belastung? Wird sie beim bewussten Kontrollieren der Atmung stärker? Ist eine bestimmte Situation entscheidend? Daraus entstehen unterschiedliche Prüfwege – nicht für alle dieselbe Beruhigungsübung.
Ein Aha-Beispiel: Langsam atmen kann trotzdem zu viel Atmung sein
Ein verbreiteter Rat lautet, langsam und tief zu atmen. Dabei werden zwei verschiedene Größen verbunden: wie oft du atmest und wie viel Luft du pro Atemzug bewegst. Weniger Atemzüge bedeuten nicht automatisch, dass die gesamte Atmung geringer wird.
Atemtempo und Atemtiefe sind nicht dasselbeWer jeden Atemzug besonders groß macht, kann mehr Luft bewegen, als der Körper gerade benötigt – auch ohne hektisch zu atmen. Übermäßige Atmung kann den Kohlendioxidgehalt verändern und beispielsweise Benommenheit oder Kribbeln begünstigen. Das ist ein möglicher Grund, warum eine gut gemeinte Atemübung unangenehm wird.
Daraus folgt nicht, dass jede Unruhe ein Atemproblem ist. Es folgt eine konkretere Frage: Ist die Übung für dich in ihrer tatsächlichen Ausführung passend? Wenn sie Beschwerden verstärkt, musst du nicht noch konsequenter, tiefer oder länger üben.
So könnte ich diese Situation mit dir auseinandernehmen
Ein mögliches Beispiel aus meiner Arbeitsweise – keine Atemanleitung zum Selbsttesten.
1. Den Ausgangspunkt beschreibenDu sitzt bequem und atmest zunächst ohne absichtliche Veränderung. Wir halten fest, wie sich Brustkorb, Kopf und innere Unruhe gerade anfühlen. Eine kurze Einschätzung reicht; du sollst nicht jeden Atemzug überwachen.
2. Die bisherige Strategie verstehenDu beschreibst, was du beim „tiefen Atmen“ machst. Ziehst du die Schultern hoch? Füllst du die Lunge jedes Mal möglichst stark? Hältst du Luft an, um eine vorgegebene Sekundenzahl einzuhalten? Eine bereits als unangenehm bekannte Übung müssen wir nicht erneut provozieren.
3. Eine andere Bedingung vergleichenStatt die Atmung noch strenger zu steuern, kann ein erster Vergleich darin bestehen, die Aufmerksamkeit auf einen ruhigen äußeren Bezugspunkt zu richten oder einen bequemen Bodenkontakt wahrzunehmen – bei unangestrengter, natürlicher Atmung. Wir betrachten, ob sich dadurch die ursprüngliche Anspannung verändert. Welcher Bezug sinnvoll ist, wird individuell gewählt.
4. Nur einen verträglichen Ansatz mitnehmenWenn ein Vergleich angenehm ist und nachvollziehbar hilft, vereinbaren wir eine kleine, alltagstaugliche Anwendung. Danach zählt auch die spätere Reaktion: mehr Ruhe, unverändert oder zusätzliche Erschöpfung? Eine kurzfristig angenehme Minute allein entscheidet nicht über die passende Dosis.
Der Unterschied zu einer pauschalen Entspannungsanleitung ist die Entscheidung dazwischen. Ich möchte wissen, welche Anforderung du gerade erzeugst und wie du darauf reagierst. Wenn Atemkontrolle zusätzliche Anstrengung macht, ist „noch besser kontrollieren“ nicht automatisch der nächste Schritt.
Nicht nur Bewegung: Auch Erleben und mentale Systeme gehören dazu
Meine Arbeit beschränkt sich nicht auf die sichtbare Bewegung. Belastende Erfahrungen, Erwartungen und das Empfinden von Sicherheit können für die aktuelle Situation relevant sein. Wir besprechen deshalb auch, ob bestimmte Kontexte die Unruhe auslösen und was du als angenehm oder überfordernd erlebst.
Dafür musst du nichts gegen deinen Willen erzählen oder belastende Erinnerungen absichtlich hervorrufen. Tempo, Einverständnis und Stabilität gehören zur Vorgehensweise. Wenn eine psychotherapeutische Unterstützung angezeigt ist oder bereits stattfindet, soll die funktionelle Begleitung dazu passen.
Warum sich Schlaf nicht erzwingen lässt
Wer müde ins Bett geht und anschließend prüft, ob der Körper endlich ruhig ist, kann in einen anstrengenden Beobachtungsmodus geraten. Dann wird Schlaf zum Leistungstest. Zusätzliche Übungen, Messwerte und strenge Regeln können diese Situation unbeabsichtigt weiter belasten.
Bei länger bestehenden Schlafproblemen ist eine gezielte Abklärung hilfreicher als eine immer längere Liste von Selbstversuchen. Die kognitive Verhaltenstherapie für Insomnie, KVT-I, ist bei chronischer Insomnie eine Behandlung der ersten Wahl. Für die alltäglichen Rahmenbedingungen findest du im 24-Stunden-Schlaf-Toolkit einen eigenen, praktisch ausgerichteten Überblick.
Was du ohne zusätzlichen Kontrolldruck beobachten kannst
Wähle für ein paar Tage nur eine Frage: „In welcher Situation beginnt die Unruhe?“ Notiere bei Bedarf ein Stichwort, etwa nach einem langen Bildschirmblock, nach spätem Kaffee oder beim Beginn einer Atemübung. Eine zweite hilfreiche Beobachtung ist, was sich von selbst angenehm anfühlt.
Du brauchst daraus keine Diagnose abzuleiten. Die Beobachtungen helfen, nicht wahllos alles zu verändern. Wenn schon das Notieren den Druck erhöht, reicht auch eine mündliche Beschreibung beim Gespräch.
Wann ärztliche Unterstützung wichtig ist
Neue, zunehmende oder länger anhaltende Erschöpfung und Schlafprobleme sollten medizinisch eingeordnet werden. Das gilt besonders bei ausgeprägter Tagesschläfrigkeit, beobachteten Atemaussetzern oder deutlicher Verschlechterung der Belastbarkeit. Akute starke Atemnot, Brustschmerz oder Ohnmacht sind kein Anlass für ein Atemexperiment, sondern für sofortige medizinische Hilfe; im Notfall 112.
Falls Beschwerden nach geringer Anstrengung erst Stunden später deutlich zunehmen, sollte auch dieses Muster ausdrücklich angesprochen werden. Dann ist eine pauschale Steigerung des Trainings keine gute Ausgangsstrategie.
Häufige Fragen
Kann man gleichzeitig erschöpft und angespannt sein?Ja. Erschöpfung beschreibt fehlende Energie; Anspannung oder Wachheit sind andere Aspekte. Welche Faktoren dabei zusammenkommen, muss zur jeweiligen Situation betrachtet werden.
Soll ich Atemübungen weiterführen, wenn mir schwindelig wird?Brich eine beschwerdeverstärkende Übung ab und kehre zu unangestrengter Atmung zurück. Neue oder wiederkehrende Beschwerden sollten abgeklärt werden. Durchhalten ist hier kein Qualitätsmerkmal.
Ist das immer ein überaktiver Sympathikus?Das lässt sich aus dem Gefühl allein nicht ableiten. Innere Unruhe ist kein Messwert für einen einzelnen Teil des autonomen Nervensystems. Konkrete Auslöser, Verlauf und Befunde sind hilfreicher als ein pauschales Etikett.
Passende weiterführende Seiten und Beiträge
Du musst nicht erst die richtige Erklärung findenBring die Situation mit, in der es schwierig wird. Darauf können wir aufbauen und einen überschaubaren nächsten Schritt besprechen.

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