← Alle Beiträge

Komplexe Beschwerden & autonomes Nervensystem

Neurofunktionelle Integration bei komplexen Beschwerden – warum ich nicht nur lokal teste

Tino Both · · 7 Min. Lesezeit

Neurofunktionelle Integration bei komplexen Beschwerden – warum ich nicht nur lokal teste
Kurz erklärt: Angewandte Neurofunktion ist der Rahmen meiner Arbeit. Eine darin eingesetzte Teilmethode ist die Neurofunktionelle Integration, kurz NeuroFI: ein erfahrungsbasiertes Verfahren, mit dem ich Reaktionen auf gezielte Reize über einen Indikatormuskel vergleiche. Bei komplexen Beschwerden interessiert mich nicht nur der schmerzende Bereich, sondern auch sein Zusammenspiel mit Wahrnehmung und Bewegung. Ziel ist ein individuell passender, praktisch überprüfter nächster Schritt.
Du hast einzelne Befunde – aber noch keinen klaren nächsten Schritt?Beschreibe mir, was dich im Alltag am meisten einschränkt und welche Untersuchungen bereits erfolgt sind. Wir besprechen, ob meine Arbeitsweise in Vilshofen zu deiner Fragestellung passt.

Deine Situation im Erstgespräch besprechen →
Das telefonische Erstgespräch ist kostenfrei.
Wenn jede Körperregion einzeln betrachtet wurde
Der Nacken zieht, der Blick fühlt sich beim Umschauen unruhig an, und längeres Stehen wird anstrengend. Vielleicht wurden die einzelnen Beschwerden bereits untersucht. Trotzdem bleibt für dich die Frage: Was mache ich jetzt konkret, damit mein Alltag wieder besser funktioniert?
Ich beginne dann nicht mit der Annahme, alles müsse eine einzige versteckte Ursache haben. Wir wählen zuerst eine Situation, die dich wirklich betrifft. Zum Beispiel den Schulterblick beim Gehen oder das Greifen in ein höheres Regal. Eine solche Aufgabe macht das Anliegen greifbar und bietet einen Ausgangspunkt, zu dem wir nach der Testung zurückkehren können.
Warum ich nicht ausschließlich am Beschwerdeort bleibe
Eine Bewegung entsteht im Zusammenspiel mehrerer Informationen. Du spürst die Stellung deines Arms, siehst das Ziel und richtest deinen Körper dazu aus. Beim Gehen kommen Orientierung und Gleichgewicht hinzu. Dass Augen, Gleichgewichtsorgane und Körperinformation zusammenwirken, beschreibt beispielsweise das NIDCD anhand der Gleichgewichtsregulation.
Daraus ergibt sich eine sinnvolle Frage: Ändert sich die schwierige Bewegung, wenn wir eine dieser Anforderungen gezielt verändern? Der lokale Bereich bleibt dabei wichtig. Eine Schulter wird nicht ignoriert, nur weil auch das Sehen beteiligt sein könnte. Wir betrachten die Bewegung genauer, statt ihre Erklärung vorschnell auf einen Muskel oder ein einzelnes Sinnessystem festzulegen.
Input → Verarbeitung → OutputInput: Informationen aus Körper und Umgebung.

Verarbeitung: Das Nervensystem verbindet diese Informationen mit der jeweiligen Aufgabe.

Output: Die konkrete Reaktion, etwa eine Bewegung oder eine veränderte Muskelantwort.

Dieser Rahmen hilft beim Fragenstellen. Welche Verbindung im Einzelfall praktisch relevant ist, wird anschließend gezielt geprüft.
Was ein Indikatormuskel mit deiner Schulter oder deinem Nacken zu tun hat
Der Indikatormuskel dient bei dieser ergänzenden Testung als wiederholt prüfbare Antwort auf eine Fragestellung. Dafür muss er zunächst geeignet sein: Der Test soll schmerzfrei möglich sein und unter vergleichbaren Bedingungen verlässlich ausfallen. Ein schmerzender Schultertest ist deshalb kein sinnvoller Ausgangspunkt, nur weil dein Anliegen die Schulter betrifft.
Wir unterscheiden den Muskeltest von deiner eigentlichen Alltagsaufgabe. Die Muskelantwort hilft mir innerhalb der Methode bei der Auswahl und Differenzierung. Ob der gefundene Ansatz für dich nützlich ist, betrachten wir anschließend wieder an der Bewegung oder Funktion, wegen der du gekommen bist.
So läuft die Neurofunktionelle Integration ab
1. Einen verlässlichen Indikatormuskel wählenZuerst prüfe ich, welcher Muskel sich unter den Ausgangsbedingungen geeignet testen lässt. Testposition und Durchführung sollen gut vergleichbar bleiben. Du musst dabei weder Schmerzen aushalten noch möglichst viel Kraft beweisen.
2. Eine konkrete Verbindung abfragenEin gezielter Reiz oder definierte Kontakte richten die Fragestellung auf einen bestimmten funktionellen Bezug. Soll beispielsweise die Gefäßmechanik im Schulterbereich betrachtet werden, werden innerhalb dieser Testsystematik das Referenzgebiet Schulter und die dafür vorgesehenen Kontaktpunkte miteinander kombiniert.
3. Die Indikatorantwort vergleichenAnschließend wird der Indikatormuskel erneut geprüft. Fällt seine Antwort unter dem gesetzten Reiz ungewöhnlich schwach aus, wird diese Reaktion genauer betrachtet. Richtung, Position und normale bewegungsabhängige Reaktionen gehören zur Einordnung.
4. Einen passenden Lösungsinput suchenIch suche nach einer Ergänzung, unter der die auffällige Muskelantwort wieder stabil ausfällt. Der Vergleich lautet: Reiz allein – Reiz zusammen mit dem ergänzenden Input. Dieser Wechsel wird wiederholt geprüft, statt einen einzelnen Unterschied vorschnell zu übernehmen.
5. Integrieren und denselben Reiz nachprüfenDie zuvor passend getestete Kombination wird für die Integration genutzt. Danach prüfe ich den ursprünglichen Reiz erneut, ohne den ergänzenden Lösungsinput. Entscheidend ist nun, ob die Muskelantwort auch unter dieser Bedingung stabil bleibt.
6. Zur ursprünglichen Funktion zurückkehrenZum Schluss kommt wieder deine Ausgangsaufgabe: etwa Armheben, Kopfdrehen oder ein sicher gewählter Gehabschnitt. Wir vergleichen, was sich an Ausführung, Beweglichkeit oder Empfinden verändert hat und wie verträglich das Vorgehen war.
Ein mögliches Beispiel: Der Arm lässt sich nur mühsam heben
Du hebst den Arm bis zu einem gut tolerierten Punkt. Wir halten fest, wann die Bewegung anstrengend wird und wie sie sich anfühlt. Der Indikatormuskel wird unabhängig davon gewählt. Anschließend kann ich die Fragestellung nach Gewebebezug, sensorischer Information oder Ansteuerung differenzieren.
Je nach Ausgangslage kann zusätzlich interessant sein, ob eine bestimmte Blickaufgabe oder Kopfposition den Vergleich verändert. Dabei wird nicht alles gleichzeitig kombiniert. Wir wollen nachvollziehen können, welcher Reiz geprüft wurde und welche Ergänzung zur veränderten Antwort gehört.
Nach der Integration folgt erneut das Armheben unter denselben Bedingungen. Eine leichtere Bewegung wäre ein sinnvoller Ansatzpunkt für den weiteren Verlauf. Bleibt die Alltagsaufgabe unverändert, reicht eine veränderte Muskelantwort allein noch nicht als praktisches Ergebnis. Dann wird der Einstieg neu bewertet.
Komplex heißt nicht: möglichst viele Tests
Viele Beschwerden verführen dazu, immer mehr Bereiche zu prüfen. Für dich soll daraus jedoch ein verständlicher Ablauf entstehen. Deshalb halte ich die ursprüngliche Frage im Blick und priorisiere Reaktionen, die sich unter passenden Bedingungen wiederholen lassen. Nicht jeder auffällige Kontakt muss zum nächsten Arbeitsschwerpunkt werden.
Auch eine unklare Reaktion hat Konsequenzen: Wir vereinfachen den Vergleich, prüfen die Ausgangsbedingungen oder wählen eine andere Frage. Aus Müdigkeit, Schmerz oder einer wechselnden Testdurchführung sollte nicht nachträglich eine komplizierte Erklärung gemacht werden.
Was nach dem Termin wichtig wird
Ein unmittelbarer Unterschied ist ein Anfang. Für deinen Alltag zählt, ob er bei ähnlichen Aufgaben wieder auftaucht und wie sich die Belastbarkeit entwickelt. Falls Übungen sinnvoll anschließen, wähle ich wenige, verträgliche Aufgaben mit einem klaren Zweck. Integration und Training können zusammengehören, sind aber unterschiedliche Schritte.
Du kannst zum Erstgespräch eine typische schwierige Situation beschreiben und vorhandene relevante Befunde bereithalten. Du musst weder alle Zusammenhänge schon verstehen noch eigene Tests vorbereiten. Wichtig ist auch, was bereits gut funktioniert und welche Unterstützung du aktuell erhältst.
Wann zunächst etwas anderes Vorrang hat
Neue oder rasch zunehmende Beschwerden brauchen eine passende medizinische Einordnung. Bei plötzlich auftretenden Lähmungszeichen, Sprachstörungen, starken neuen Kopfschmerzen oder akutem Sehverlust steht die sofortige Versorgung im Vordergrund, im Notfall über 112. Bei länger bestehenden, abgeklärten Beschwerden richten wir das Vorgehen an deiner Belastbarkeit und vorhandenen Empfehlungen aus.
Häufige Fragen zur Neurofunktionellen Integration
Wird bei einer schmerzenden Schulter immer die Schulter getestet?Nein. Der Indikatormuskel muss schmerzfrei und verlässlich prüfbar sein. Die Schulterbewegung kann trotzdem die wichtige Ausgangsaufgabe bleiben, die wir vorher und nachher vergleichen.
Ist ein schwacher Muskeltest einfach fehlende Kraft?In diesem Vorgehen geht es um die Veränderung einer zuvor vergleichbaren Muskelantwort unter einem bestimmten Reiz. Trainingskraft und eine solche Testreaktion sind unterschiedliche Fragestellungen.
Muss ich während der Integration ständig Übungen machen?Nicht unbedingt. Der Ablauf hängt von der konkreten Fragestellung ab. Ein gezielter Kontakt oder eine kleine funktionelle Aufgabe kann Teil des Vorgehens sein. Ein anschließendes Übungsprogramm wird gesondert ausgewählt.
Kann ich schon im ersten Termin einen Unterschied bemerken?Das ist möglich, aber nicht vorhersagbar. Wir vergleichen eine konkrete Funktion und besprechen, was der Unterschied für den nächsten Schritt bedeutet. Der weitere Verlauf gehört zur Bewertung dazu.
Du möchtest aus vielen Einzelthemen eine konkrete Fragestellung machen?Im kostenfreien telefonischen Erstgespräch klären wir gemeinsam den möglichen Einstieg. Termine finden in Vilshofen statt – auch gut erreichbar aus Passau und Deggendorf.

Arbeitsweise und Anliegen persönlich besprechen →
Das telefonische Erstgespräch ist kostenfrei.
Passende weiterführende Seiten und Beiträge
Quellen und weiterführende Literatur

Deine Daten. Deine Entscheidung.

Was darf mit dabei sein?

Die Website funktioniert ohne optionale Dienste. Mit deiner Erlaubnis helfen Matomo auf unserem eigenen Webspace bei der Besucherstatistik und Google Ads bei der Anzeigenstatistik. Spotify spielt Musik direkt auf der Seite ab.

Unabhängig von deiner Auswahl zählen wir auf dem Server Seitenaufrufe als anonyme Tagessummen, ohne Besucherkennung. Mehr zur Basisstatistik.

Für Matomo werden eine zufällige Besucherkennung und Nutzungsdaten auf unserem Webspace verarbeitet. Bei Google Ads und Spotify können Daten auch in die USA übermittelt werden. Optionale Dienste können Informationen auf deinem Gerät speichern. Deine Auswahl kannst du jederzeit im Footer unter „Datenschutzeinstellungen“ ändern.

Notwendige FunktionenImmer aktiv