Autonome Dysregulation & komplexe Beschwerden

Komplexe Nervensystementgleisungen funktionell aufarbeiten

Wenn Kreislauf, Reizverarbeitung, Schlaf und Belastbarkeit nicht zuverlässig zusammenspielen, wirkt das Beschwerdebild schnell diffus.

In der angewandten Neurofunktion wird dieses Gesamtbild in konkrete, überprüfbare Teilfunktionen zerlegt: Auffälligkeiten finden, passende Inputs testen, integrieren und identisch re-testen.

Wechselhafte Beschwerden Symptome verändern sich mit Belastung, Tagesform oder Situation.
Autonome Dysregulation Kreislauf, Schlaf, Temperatur oder innere Aktivierung reagieren instabil.
Belastungsintoleranz Kleine körperliche oder mentale Anforderungen können starke oder verzögerte Reaktionen auslösen.
Wie die funktionelle Testung funktioniert →

Bildhinweis: Die auf dieser Seite verwendeten Szenenbilder sind KI-generierte Illustrationen. Sie zeigen keine realen Klientinnen oder Klienten und dokumentieren keine tatsächlichen Praxissituationen.

Illustration zur funktionellen Betrachtung autonomer und vegetativer Dysregulation des Nervensystems
Nicht nur: Wo ist das Symptom? Sondern: Unter welchen Bedingungen verändert sich die Funktion?
Wenn Beschwerden nicht in ein klares Raster passen

Wenn der Körper auf Belastungen immer wieder anders reagiert

Komplexe Verläufe zeigen sich häufig nicht durch ein einzelnes Symptom. Typischer ist ein Muster aus wechselnden Beschwerden, schwankender Belastbarkeit und Reaktionen, die sich nicht eindeutig nur einem Organ oder einer einzelnen Struktur zuordnen lassen.

Muster 01

Wechselnde Symptome

An einem Tag stehen Schwindel oder Kreislaufprobleme im Vordergrund, an einem anderen Erschöpfung, innere Unruhe, Schlaf- oder Verdauungsbeschwerden.

Muster 02

Schwankende Belastbarkeit

Was gestern problemlos möglich war, kann heute deutlich mehr Energie kosten oder Beschwerden verstärken. Manche Reaktionen treten zudem erst verzögert nach einer Belastung auf.

Muster 03

Mehrere Systeme gleichzeitig

Kreislauf, Schlaf, Temperaturregulation, Verdauung, Reizverarbeitung, Gleichgewicht oder innere Aktivierung können gleichzeitig auffällig reagieren und sich gegenseitig beeinflussen.

Muster 04

Beschwerden trotz unauffälliger Befunde

Medizinische Untersuchungen können wichtige Ursachen abklären, erklären aber nicht zwangsläufig jede funktionelle Reaktion. Beschwerden können deshalb real und belastend bleiben, obwohl einzelne Befunde unauffällig sind.

Begriff kurz eingeordnet

Vegetative Dysregulation, autonome Dysregulation oder vegetative Dystonie?

Begriffe wie vegetative Dysregulation, autonome Dysregulation oder auch vegetative Dystonie werden unterschiedlich verwendet. Gemeint sind häufig Beschwerdebilder, bei denen automatische Körperfunktionen wie Kreislauf, Atmung, Verdauung, Temperaturregulation oder Aktivierung nicht stabil an wechselnde Anforderungen angepasst werden.

Für die funktionelle Betrachtung ist deshalb weniger entscheidend, welcher Sammelbegriff verwendet wird. Wichtiger ist die Frage, unter welchen Bedingungen das System instabil reagiert, welche Funktionen sich dabei verändern und wie reproduzierbar diese Reaktionen sind.

Wenn mehrere Systeme gleichzeitig beteiligt sind

Welche komplexen Verläufe hier gemeint sind

Dieser Schwerpunkt richtet sich vor allem an Beschwerdebilder, bei denen Regulation, Belastbarkeit und autonome Reaktionen nicht stabil funktionieren oder mehrere Systeme gleichzeitig betroffen zu sein scheinen.

Unterschiedliche komplexe Verläufe bei autonomer Dysregulation, POTS, ME/CFS und Long Covid funktionell betrachtet in Vilshofen
Nicht die Diagnose allein entscheidet. Zwei Menschen mit derselben Diagnose können sich in Belastbarkeit, Reizverarbeitung und vegetativer Regulation deutlich unterscheiden.
01

Autonome und orthostatische Beschwerden

Schwindel beim Aufstehen, Herzklopfen, Kreislaufinstabilität, Temperaturprobleme oder Beschwerden bei längerem Stehen können auf eine auffällige autonome oder orthostatische Regulation hinweisen. Dazu gehören auch POTS-nahe Beschwerdemuster.

02

ME/CFS und ausgeprägte Belastungsintoleranz

Bei ME/CFS und vergleichbaren Verläufen kann bereits geringe körperliche oder mentale Belastung deutliche oder verzögerte Verschlechterungen auslösen. Entscheidend ist deshalb eine besonders vorsichtige Betrachtung von Belastbarkeit und Reaktion.

03

Long Covid und postinfektiöse Verläufe

Nach Infekten können Beschwerden wie Erschöpfung, Brain Fog, Schwindel, Kreislaufprobleme, Schlafstörungen oder eine veränderte Belastungsverträglichkeit länger bestehen bleiben.

04

Neurologische und neuroinflammatorische Zusammenhänge

Auch bei bereits bekannten neurologischen Erkrankungen oder neuroinflammatorisch geprägten Verläufen kann zusätzlich interessant sein, wie stabil das Nervensystem aktuell auf Bewegung, Wahrnehmung und Belastung reagiert.

Die Begriffe beschreiben einen großen medizinischen Rahmen. Für die praktische Arbeit zählt anschließend, welche Funktionen aktuell instabil reagieren, wodurch sie sich verändern und welche Belastung das System tatsächlich verarbeiten kann.
Komplexe Verläufe verhalten sich selten linear

Warum solche Zustände oft schwer einzuordnen sind

Bei komplexen oder postinfektiösen Beschwerden ist nicht nur entscheidend, welches Symptom gerade vorhanden ist. Reaktionen können zeitversetzt auftreten, von den aktuellen Belastungsbedingungen abhängen oder sich nicht vollständig in einem einzelnen medizinischen Befund widerspiegeln.

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Reaktionen können verzögert auftreten

Nicht jede Überforderung wird unmittelbar spürbar. Erschöpfung, Brain Fog, Schwindel oder andere Beschwerden können sich erst Stunden später oder am folgenden Tag deutlich verstärken.

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Die Bedingungen verändern die Reaktion

Schlaf, Hitze, vorausgegangene Belastung, mentale Anforderungen oder ein Infekt können beeinflussen, wie gut dieselbe Aktivität zu einem bestimmten Zeitpunkt verarbeitet wird.

≠

Ein Einzelwert bildet den Verlauf nicht vollständig ab

Ein stabiler Wert in Ruhe kann übersehen, was erst beim Aufstehen, unter visueller Belastung, nach konzentriertem Arbeiten oder mit zeitlicher Verzögerung deutlich wird.

Deshalb reicht ein einzelner Moment oft nicht aus.

Entscheidend ist auch, unter welchen Bedingungen eine Reaktion auftritt, wie stark sie ausfällt und wie lange das System anschließend benötigt, um sich wieder zu stabilisieren. Gerade bei komplexen Verläufen wird deshalb der Verlauf wichtiger als die isolierte Betrachtung eines einzelnen Symptoms.

Der Kreislauf muss sich permanent anpassen

Autonome Dysregulation bei Lagewechsel, Stehen und Belastung

Besonders sichtbar wird autonome Regulation dann, wenn der Körper seine Kreislauf- und Aktivierungsantwort an eine neue Situation anpassen muss – etwa beim Aufstehen, längeren Stehen, bei Hitze oder körperlicher Belastung.

Orthostatische Intoleranz, POTS und autonome Kreislaufregulation funktionell betrachten in Vilshofen
Regulation zeigt sich besonders im Wechsel. Der Körper muss auf Lage, Temperatur und Belastung fortlaufend reagieren – nicht nur einen einzelnen Ruhewert aufrechterhalten.

Wenn Aufstehen, Wärme oder Belastung das System herausfordern

Orthostatische Beschwerden treten besonders in Situationen auf, in denen Herzfrequenz, Gefäßspannung und Kreislauf an veränderte Anforderungen angepasst werden müssen.

↑

Aufstehen und Lagewechsel

Schwindel, Benommenheit, Herzklopfen oder ein Gefühl von Instabilität können besonders beim Übergang vom Liegen oder Sitzen in den Stand auftreten.

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Stehen und Hitze

Längeres Stehen, warme Räume, Duschen oder hohe Außentemperaturen können Kreislauf und Gefäßregulation zusätzlich fordern.

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Körperliche und mentale Belastung

Manche Menschen reagieren unmittelbar auf Aktivität, andere erleben erst später Erschöpfung, Brain Fog, Schwindel oder eine deutliche Verschlechterung ihrer Belastbarkeit.

Funktionell betrachtet

Nicht nur den Ruhewert betrachten – sondern die Reaktion auf Veränderung

Entscheidend ist nicht nur, wie eine Funktion in Ruhe aussieht, sondern wie Puls, Blutdruck, Blickstabilität, Haltung, Atmung und subjektive Sicherheit auf Lagewechsel, Stehen oder Belastung reagieren. Dieselbe Abfolge wird nach einem passenden Input erneut geprüft.

Praktische Konsequenz: Ein auffälliger Lagewechsel wird nicht isoliert betrachtet. Er führt direkt zu detaillierten Tests der beteiligten Regulations-, Orientierungs- und Stabilisierungssysteme.
Wenn Belastung nicht einfach nur anstrengend ist

Wenn schon kleine Belastungen das System überfordern

Bei ausgeprägter Belastungsintoleranz ist nicht nur entscheidend, wie anstrengend eine Aktivität währenddessen wirkt. Beschwerden können unmittelbar auftreten – oder sich erst Stunden später beziehungsweise am folgenden Tag deutlich verstärken.

Warum der unmittelbare Eindruck allein täuschen kann

01
Belastung

Körperliche Aktivität, längeres Stehen, konzentriertes Arbeiten oder eine andere mentale oder sensorische Anforderung.

02
Unmittelbar danach

Manche Menschen fühlen sich zunächst relativ stabil oder bemerken nur geringe Veränderungen.

03
Stunden später

Erschöpfung, Brain Fog, Schwindel, Schmerzen, Reizempfindlichkeit oder vegetative Beschwerden können deutlich zunehmen.

04
Folgetag

Bei ausgeprägten Verläufen kann die Belastbarkeit weiter reduziert sein und die Erholung deutlich länger benötigen.

Normale Anpassung

Belastung führt zu Ermüdung – danach folgt Erholung

Eine körperliche oder mentale Anforderung kostet Energie. Normalerweise passt sich das System an und kehrt nach einer angemessenen Erholungsphase wieder in Richtung Ausgangsniveau zurück.

Belastung → Ermüdung → Erholung
Auffälliges Belastungsmuster

Kleine Belastung kann eine unverhältnismäßige Reaktion auslösen

Problematisch wird es, wenn bereits geringe Anforderungen zu deutlichen oder verzögerten Verschlechterungen führen und das System deutlich länger benötigt, um sich wieder zu stabilisieren.

Kleine Belastung → Verschlechterung → verlängerte Erholung
Besonders relevant bei ME/CFS

Post-Exertional Malaise / Post-Exertional Symptom Exacerbation

Bei ME/CFS ist die Verschlechterung nach Belastung ein zentrales Merkmal. Häufig werden dafür die Begriffe Post-Exertional Malaise (PEM) oder Post-Exertional Symptom Exacerbation (PESE) verwendet.

Dabei können körperliche, kognitive, emotionale oder sensorische Anforderungen eine verzögerte und teilweise länger anhaltende Verschlechterung auslösen. Deshalb darf Belastbarkeit hier nicht ausschließlich anhand des unmittelbaren Eindrucks nach einer Übung beurteilt werden.

Bei ausgeprägter Belastungsintoleranz entscheidet nicht nur die unmittelbare Reaktion. Die Dosierung wird erst dann beibehalten, wenn auch Gesamttagesbelastung und verzögerte Reaktionen stabil bleiben. Deshalb fließen die folgenden Stunden und bei Bedarf auch der nächste Tag in die weitere Planung ein.
Postinfektiöse und neuroimmunologische Verläufe

Wenn ein Infekt zum Wendepunkt wird

Manche Menschen berichten, dass ihre Belastbarkeit oder Regulation seit einem Infekt deutlich verändert ist. Statt vollständig auf das frühere Niveau zurückzukehren, bleiben unterschiedliche Beschwerden bestehen oder treten unter Belastung immer wieder neu auf.

Postinfektiöse Beschwerden, Long Covid, EBV und neuroimmunologische Regulation funktionell betrachten in Vilshofen
Ein Infekt kann die funktionelle Ausgangslage deutlich verändern. Entscheidend ist, welche Regulationsbereiche seitdem unter Belastung, Reizfülle oder Lagewechsel auffällig reagieren.

Nach einem Infekt können mehrere Regulationsbereiche gleichzeitig auffällig reagieren

Postinfektiöse Verläufe zeigen sich häufig nicht in nur einem Körpersystem. Vielmehr kann sich das Zusammenspiel verschiedener Funktionen verändern – mit individuell sehr unterschiedlichen Schwerpunkten.

Belastbarkeit Aktivitäten werden schlechter toleriert oder führen zu ungewöhnlich langer Erholung.
Kreislauf und autonome Regulation Aufstehen, Stehen, Wärme oder Belastung können Herzklopfen, Schwindel oder Kreislaufbeschwerden provozieren.
Kognition und Reizverarbeitung Konzentration, Brain Fog, Licht-, Geräusch- oder Bewegungsempfindlichkeit können stärker auffallen.
Schlaf und Erholung Schlaf kann weniger erholsam wirken oder der Körper findet schlechter aus einem erhöhten Aktivierungszustand heraus.
Temperatur und vegetative Funktionen Hitze, Kälte, Schwitzen, Verdauung oder andere automatische Körperfunktionen können verändert reagieren.
Gleichgewicht und Wahrnehmung Schwindel, Benommenheit oder Unsicherheit bei Bewegung können zusätzlich Teil des Gesamtbildes sein.
Long Covid, EBV, Borreliose und weitere Infektionen

Postinfektiös bedeutet nicht automatisch Long Covid

Long Covid ist ein bekanntes Beispiel für einen komplexen postinfektiösen Verlauf. Vergleichbare Veränderungen von Belastbarkeit, Reizverarbeitung oder Regulation werden jedoch auch nach anderen Infektionen beschrieben. Dazu gehören beispielsweise das Epstein-Barr-Virus (EBV), eine Borreliose beziehungsweise vorausgegangene Borrelien-Infektion sowie andere Infektionen, die Immun- und Nervensystem erheblich beanspruchen können.

Dazu können – abhängig vom individuellen Verlauf – beispielsweise virale oder bakterielle Infektionen gehören. Die vorausgegangene Infektion allein erklärt jedoch nicht automatisch bestehende Beschwerden, und aus einem funktionellen Test lässt sich weder eine aktive Infektion noch deren medizinische Ursache diagnostizieren.

Für die funktionelle Betrachtung ist deshalb nicht allein entscheidend, welcher Erreger oder welche Erkrankung vorausging. Interessant ist vielmehr, welche Beschwerden seitdem bestehen, welche Anforderungen sie verändern und wie stabil verschiedene Funktionen heute reagieren.

Medizinische Perspektive

Welche Erkrankung oder Pathophysiologie liegt vor?

Medizinische Diagnostik untersucht beispielsweise infektiologische, immunologische, neurologische, kardiologische oder andere mögliche Ursachen und Krankheitsmechanismen. Dazu gehört bei entsprechendem Verdacht auch die Abklärung aktiver oder zurückliegender Infektionen wie EBV oder Borreliose. Diese Abklärung wird durch eine funktionelle Betrachtung nicht ersetzt.

Funktionelle Perspektive

Welche Funktionen reagieren aktuell auffällig?

Ergänzend kann untersucht werden, wie sich Gleichgewicht, Augenbewegungen, sensorische Verarbeitung, Belastung oder andere geeignete Funktionen unter definierten Bedingungen verändern und welche Reize aktuell gut oder schlecht toleriert werden.

Aus dem großen Beschwerdebild entsteht eine konkrete Reihenfolge: den stärksten Funktionsverlust bestimmen, beteiligte Systeme detailliert testen, passende Inputs integrieren und die ursprüngliche Aufgabe erneut überprüfen.
Was konkret getestet wird

Regulation wird über beobachtbare Reaktionen greifbar

Das neurofunktionelle Eingangsscreening zeigt, welche Bereiche stabil arbeiten und wo eine detaillierte Testung den größten Informationsgewinn liefert. Nicht jeder Mensch braucht dieselbe Testbatterie.

Eingangsscreening

Die stärksten Instabilitäten sichtbar machen

Gang, Haltung, Rumpfstabilisierung, Augenbewegungen, Gleichgewicht, Koordination, Atmung und Regulationszeichen bilden die Ausgangslage.

→
Detailtest

Eine Auffälligkeit präzise zerlegen

Seite, Richtung, Position, Reizart, Belastungsbedingung, funktionelle Verbindung und erfahrungsbasierte Versorgungsabfragen werden einzeln geprüft.

Sechs Bereiche, die bei komplexen Verläufen relevant sein können

Die Auswahl folgt immer den Auffälligkeiten im Eingangsscreening und dem persönlichen Zieloutput.

01

Globale Stabilität

Gang, Haltung, Rumpfstabilisierung, Gleichgewicht und schnelle Wechselbewegungen zeigen, wie sicher der Körper organisiert wird.

02

Kreislauf & Lagewechsel

Liegen, Sitzen und Stehen werden mit Puls, Blutdruck, Befinden, Blickstabilität und Standkontrolle verglichen.

03

Atmung & Interozeption

Atemweg, Frequenz, Tiefe, Thoraxbewegung, Spannungsmuster und die Verarbeitung innerer Signale werden differenziert.

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Augen & Orientierung

Fixation, Sakkaden, Folgebewegungen, Blickstabilisierung und Augen-Kopf-Koordination werden einzeln geprüft.

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Sensorische Verarbeitung

Berührung, Druck, Gelenkinformation, Vibration, Temperatur, Geräusch oder Geruch können als definierte Inputs getestet werden.

06

Belastung & Erholung

Tempo, Genauigkeit, Atemreaktion, Symptomverlauf und Erholungszeit werden an einer klar definierten Aufgabe verglichen.

Nicht alle Bereiche gleichzeitig bearbeiten.

Die auffälligste Funktion wird zuerst detailliert getestet, passend integriert und identisch re-testet. Danach zeigt das erneute Screening, welche Ebene als Nächstes Priorität hat.

Wenn zu viele Auffälligkeiten gleichzeitig vorhanden sind

Warum komplexe Fälle oft schrittweise neurofunktionell aufgearbeitet werden müssen

Bei komplexen Verläufen zeigt sich in der funktionellen Testung häufig nicht nur eine einzelne Auffälligkeit. Stattdessen können auf mehreren Ebenen gleichzeitig Abweichungen sichtbar werden – etwa in Gleichgewicht, Augenbewegungen, sensorischer Verarbeitung, Koordination, autonomer Regulation oder Belastungsverträglichkeit.

Wenn fast überall etwas auffällig ist

Je mehr funktionelle Auffälligkeiten gleichzeitig vorhanden sind, desto schwieriger wird es zu Beginn, eindeutig zu bestimmen, welche davon für das Gesamtbild am wichtigsten ist.

Deshalb beginnt die Detailarbeit bei den Funktionen, die im Eingangsscreening am deutlichsten abweichen. Sie werden systematisch getestet, integriert und anschließend unter derselben Bedingung erneut überprüft.

01

Viele Auffälligkeiten erfassen

Zu Beginn können verschiedene sensorische, motorische, visuelle, vestibuläre oder autonome Funktionen gleichzeitig auffällig sein.

02

Systematisch aufarbeiten

Auffällige Bereiche werden Schritt für Schritt getestet, mit definierten Reizen beeinflusst und anschließend erneut überprüft.

03

Funktionelles Rauschen reduzieren

Mit jeder geklärten oder verbesserten Auffälligkeit wird das Gesamtbild übersichtlicher und Zusammenhänge können klarer sichtbar werden.

04

Immer feiner differenzieren

Wenn weniger Störvariablen gleichzeitig vorhanden sind, können spezifischere und komplexere Fragestellungen neurofunktionell untersucht werden.

Vereinfacht gesagt

Erst grob rauswischen – dann die Fugen putzen.

Solange auf vielen Ebenen gleichzeitig funktionelle Auffälligkeiten vorhanden sind, ist eine sehr feine Differenzierung oft kaum sinnvoll. Deshalb wird zunächst das aufgearbeitet, was klar und reproduzierbar auffällig ist. Je übersichtlicher das funktionelle Gesamtbild wird, desto präziser können anschließend die Fragen an das Nervensystem werden.

Mit der Zeit können die Fragestellungen spezifischer werden

Welcher konkrete sensorische Input verändert eine bestimmte Funktion?
Unter welchen Bedingungen tritt eine Auffälligkeit besonders deutlich auf?
Welche Systeme beeinflussen sich gegenseitig?
Welche Kombination von Reizen verändert das Ergebnis reproduzierbar?
Komplexe Fälle lassen sich nicht immer in einer einzigen Sitzung auf eine zentrale funktionelle Auffälligkeit reduzieren. Manchmal müssen zunächst mehrere Ebenen systematisch aufgearbeitet werden. Deshalb kann die neurofunktionelle Differenzierung bei solchen Verläufen auch mehrere Sitzungen benötigen.
Angewandte Neurofunktion · testen statt raten

Auffälligkeiten finden, Lösungen testen und Veränderungen direkt sichtbar machen

Bei komplexen Fällen bildet die angewandte Neurofunktion den roten Faden meiner Arbeit. Auffälligkeiten werden nicht nur gefunden: Ich prüfe unmittelbar, welcher konkrete Input eine auffällige Reaktion positiv verändert.

Primärwerkzeug

Muskelfunktionsdiagnostik als präziser Referenztest

Die Muskelfunktionsdiagnostik ermöglicht es, funktionelle Veränderungen unmittelbar zu vergleichen und Fragestellungen Schritt für Schritt einzugrenzen. Sie wird mit den auffälligen neurofunktionellen Tests aus dem Eingangsscreening verbunden.

Ergänzende Testbatterie

Neuroathletische Tests erweitern das funktionelle Bild

Ergänzend nutze ich je nach Fragestellung eine breite Testbatterie aus der Neuroathletik. Dazu können beispielsweise Gleichgewicht, Augenbewegungen, Koordination, Bewegungsqualität, sensorische Verarbeitung oder andere geeignete funktionelle Marker gehören.

So entsteht Schritt für Schritt ein funktionelles Bild

Auffälligkeiten werden nicht isoliert gesammelt, sondern unmittelbar weiter untersucht und nach Möglichkeit funktionell beeinflusst.

01

Referenztest festlegen

Zunächst wird mit der Muskelfunktionsdiagnostik ein möglichst reproduzierbarer funktioneller Ausgangstest geschaffen. Geeignete neuroathletische Tests können diesen ergänzen.

02

Auffälligkeit eingrenzen

Über gezielte Fragestellungen und definierte sensorische, motorische oder andere Inputs wird untersucht, wodurch sich der Referenztest verändert.

03

Verschlechterung ernst nehmen

Zeigt sich eine Auffälligkeit oder verschlechtert sich der Referenztest, endet die Untersuchung nicht bei dieser Feststellung. Jetzt beginnt die Suche nach einer passenden Lösung.

04

Passenden Input testen

Je nach Befund werden gezielt unterschiedliche neurofunktionelle Reize geprüft – beispielsweise visuelle, vestibuläre, propriozeptive, somatosensorische oder respiratorische Inputs.

05

Lösung integrieren und retesten

Zeigt ein Input eine positive Veränderung, wird dieser gezielt integriert. Anschließend wird derselbe Referenztest erneut geprüft, um die Veränderung unmittelbar sichtbar zu machen.

06

Nächste Ebene bearbeiten

Danach folgt die nächste relevante Auffälligkeit. Bei komplexen Verläufen kann dieser Prozess mehrere funktionelle Ebenen und entsprechend auch mehrere Sitzungen umfassen.

Entscheidend ist nicht nur der Befund

Bei einer Verschlechterung wird nach einer positiven Veränderung gesucht

Eine funktionelle Auffälligkeit ist für mich nicht das Endergebnis. Die entscheidende Frage lautet: Was verändert diese Reaktion wieder in eine positive Richtung? Zeigt sich ein passender Input, wird dieser integriert und das Ergebnis anschließend erneut überprüft.

Ich sammle Auffälligkeiten nicht einfach nur. Wenn eine Funktion auffällig reagiert oder sich verschlechtert, suche ich nach einem Input, der diese Reaktion positiv verändert, integriere diesen und überprüfe das Ergebnis unmittelbar im Retest.
Besonderheit bei ausgeprägter Belastungsintoleranz: Ein guter unmittelbarer Retest bedeutet nicht automatisch, dass ein Reiz auch im weiteren Verlauf gut vertragen wird. Bei entsprechenden Beschwerdebildern müssen deshalb zusätzlich Dosierung, Gesamttagesbelastung und mögliche verzögerte Reaktionen berücksichtigt werden.
Drei konkrete Anwendungsfälle

Ähnliche Symptome können zu völlig unterschiedlichen Testwegen führen

Die Beispiele zeigen drei typische Ausgangssituationen und die daraus abgeleitete funktionelle Testlogik: vom konkreten Alltagserleben über Detailtests bis zur gezielten Integration.

01

Schwindel, Herzklopfen und Brain Fog beim Aufstehen

Die Beschwerden zeigen sich besonders beim Lagewechsel, längeren Stehen oder in warmen Räumen.

AusgangstestLiegen, Sitzen und Stehen mit Puls, Blutdruck, Befinden, Blickstabilität und Standkontrolle vergleichen.
DetailtestAtmung, Augen-Kopf-Koordination, Rumpfstabilisierung und sensorische Orientierung einzeln prüfen.
IntegrationPassenden Input integrieren, dieselbe Lagewechselfolge re-testen und daraus die verträgliche Startdosis ableiten.
02

Seit einem Infekt erschöpft und schnell reizüberflutet

Bildschirm, Bewegung, Geräusche oder konzentriertes Arbeiten verbrauchen unverhältnismäßig viel Energie.

AusgangstestEine kurze visuelle oder kognitive Aufgabe mit Tempo, Fehlern, Haltung, Atmung und Nachwirkung erfassen.
DetailtestFixation, Blicksprünge, Blickfolge, Gleichgewicht, Atemwelle und sensorische Reize getrennt vergleichen.
IntegrationDie Funktion stabilisieren, die im Test zuerst kippt, bevor die Gesamtbelastung schrittweise erhöht wird.
03

Müde, aber innerlich dauerhaft aktiviert

Schlaf wirkt wenig erholsam, das System findet schwer in Ruhe und reagiert empfindlich auf neue Anforderungen.

AusgangstestAtemmuster, Spannung, Gang, Temperatur, Pupillenreaktion und einen alltagsnahen Funktionsoutput erfassen.
DetailtestRespiratorische, interozeptive, somatosensorische und autonome Inputs einzeln und niedrig dosiert testen.
IntegrationNur Inputs weiterverwenden, die den Funktionsoutput verbessern und auch im weiteren Verlauf gut verträglich bleiben.
Neurofunktionelle Untersuchung bei komplexen Beschwerden und autonomer Dysregulation in Vilshofen
Testen statt raten. Auffälligkeiten werden nicht nur gefunden, sondern gezielt beeinflusst und anschließend direkt erneut getestet.
Komplexe Beschwerden funktionell betrachten

Gemeinsam herausfinden, welche Funktionen dein Nervensystem aktuell aus dem Gleichgewicht bringen

Wenn Beschwerden wechselhaft sind und mehrere Systeme gleichzeitig beteiligt erscheinen, zerlegt die angewandte Neurofunktion das Gesamtbild in konkrete Teilfunktionen. So wird sichtbar, wo die Detailarbeit beginnen sollte.

individuell testen statt pauschal behandeln
Auffälligkeiten direkt retesten
komplexe Verläufe schrittweise aufarbeiten
Häufige Fragen

Fragen zu autonomer Dysregulation und komplexen Beschwerden

Hier findest du Antworten auf häufige Fragen zur angewandten Neurofunktion bei komplexen, autonomen und postinfektiöser Beschwerdebilder.

Was ist der Unterschied zwischen autonomer Dysregulation, vegetativer Dysregulation und vegetativer Dystonie?

Die Begriffe werden im Alltag teilweise unterschiedlich verwendet. Gemeint sind häufig Beschwerdebilder, bei denen automatische Körperfunktionen wie Kreislauf, Aktivierung, Atmung, Verdauung, Temperaturregulation oder Schlaf nicht stabil an wechselnde Anforderungen angepasst werden.

Für meine funktionelle Arbeit ist weniger entscheidend, welcher Sammelbegriff verwendet wird. Wichtiger ist, welche Funktionen tatsächlich auffällig reagieren und unter welchen Bedingungen sich diese verändern.

Kann ich auch mit einer bestehenden medizinischen Diagnose zu dir kommen?

Ja. Meine Arbeit setzt auf einer anderen Ebene an: Ich untersuche, wie das Nervensystem aktuell auf bestimmte Anforderungen und definierte Reize reagiert. Im Mittelpunkt stehen die individuell auffälligen Funktionen – beispielsweise Lagewechsel, Blickstabilität, Gleichgewicht, Atmung, Reizverarbeitung oder Belastbarkeit.

Warum wird bei gleichen Beschwerden nicht immer dasselbe getestet?

Zwei Menschen mit ähnlichen Beschwerden können sich beispielsweise in Gleichgewicht, Augenbewegungen, Koordination, Reizverarbeitung, autonomer Regulation oder Belastbarkeit deutlich unterscheiden.

Deshalb wird nicht mit einem Standardprogramm begonnen. Das Eingangsscreening zeigt, welche Funktionen individuell auffällig sind und wo die Detailtests ansetzen.

Was passiert bei der angewandten Neurofunktion konkret?

Zu Beginn steht ein neurofunktionelles Eingangsscreening. Dabei werden unter anderem Stabilität, Gleichgewicht, Augenbewegungen, Koordination, Sensorik und je nach Beschwerdebild auch Kreislauf, Atmung oder Belastungsreaktionen überprüft.

Auffällige Bereiche werden anschließend in Detailtests weiter zerlegt. Die Muskelfunktionsdiagnostik dient dabei als präziser Referenztest, um einzelne Zusammenhänge direkt abzufragen.

Wird ein passender Input gefunden, wird er integriert. Danach folgt derselbe Test erneut. So lässt sich unmittelbar erkennen, ob sich die zuvor auffällige Funktion verbessert hat.

Warum braucht ein komplexer Fall manchmal mehrere Sitzungen?

Bei komplexen Verläufen finden sich häufig funktionelle Auffälligkeiten auf mehreren Ebenen gleichzeitig. Dann ist zu Beginn nicht immer eindeutig erkennbar, welche davon für das Gesamtbild am wichtigsten ist.

Deshalb kann es notwendig sein, zunächst mehrere klar reproduzierbare Auffälligkeiten systematisch aufzuarbeiten. Mit jeder geklärten Ebene wird das Gesamtbild häufig übersichtlicher und eine feinere Differenzierung möglich.

Vereinfacht gesagt: erst grob rauswischen – dann die Fugen putzen.

Was ist, wenn ich auf Belastungen erst Stunden später reagiere?

Das ist gerade bei ausgeprägter Belastungsintoleranz sehr wichtig. Deshalb wird die Dosierung nicht allein nach der unmittelbaren Reaktion festgelegt.

Bei entsprechenden Verläufen werden neben direkten Re-Tests auch Dosierung, Gesamttagesbelastung und mögliche verzögerte Reaktionen.

Bei ME/CFS spielt insbesondere eine mögliche Post-Exertional Malaise beziehungsweise Post-Exertional Symptom Exacerbation eine wichtige Rolle.

Muss ich medizinisch abgeklärt sein, bevor ich einen Termin vereinbare?

Bei länger bestehenden oder komplexen Beschwerden ist eine medizinische Abklärung grundsätzlich sinnvoll und häufig bereits erfolgt.

Neue, plötzlich auftretende, starke oder bislang ungeklärte Beschwerden sollten zunächst medizinisch untersucht werden. Das gilt insbesondere bei akuten neurologischen, kardiologischen oder anderen Warnzeichen.

Bereits vorhandene Befunde kannst du zum Termin gerne mitbringen.

Wie finde ich heraus, ob dieser Schwerpunkt für mich passend ist?

Wenn deine Beschwerden komplex oder wechselhaft sind, mehrere Systeme gleichzeitig beteiligt erscheinen oder du trotz vorhandener Diagnostik zusätzlich verstehen möchtest, welche Funktionen aktuell auffällig reagieren, kann dieser Schwerpunkt interessant sein.

Wenn du dir unsicher bist, ist das kostenfreie Erstgespräch der einfachste Einstieg. Dort können wir zunächst klären, ob meine funktionelle Arbeitsweise grundsätzlich zu deiner Situation passt.

Noch unsicher, ob dein Beschwerdebild hier hineinpasst?
Im kostenfreien Erstgespräch können wir zunächst gemeinsam klären, ob die angewandte Neurofunktion zu deiner Situation passt.
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