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Neurozentriertes Training in Ortenburg: Rückblick auf die Schulung 2025

Tino Both · · 5 Min. Lesezeit

Neurozentriertes Training in Ortenburg: Rückblick auf die Schulung 2025
Kurz erklärt: Bei der Schulung im September 2025 in Ortenburg ging es darum, neurozentriertes Training praktisch nachvollziehbar zu machen: eine Ausgangsfunktion prüfen, einen gezielten Reiz setzen und dieselbe Funktion erneut vergleichen. Der 1,5-tägige Workshop verband Grundlagen, praktische Tests und den Austausch über den Transfer in Training und Therapie.
Du möchtest diesen Ansatz selbst kennenlernen oder ins Team bringen?Ob persönliche Begleitung oder eine Schulung für dein Team: Schreib mir, welche Fragen aus deinem Alltag im Vordergrund stehen. Dann können wir besprechen, welches Format zu dir passt.

Neurozentriertes Arbeiten kennenlernen – Erstgespräch vereinbaren →
Das telefonische Erstgespräch ist kostenfrei.
Ein gemeinsamer Ausgangspunkt: Woran erkennen wir einen hilfreichen Reiz?
Eine Übung lässt sich schnell zeigen. Schwieriger ist die Entscheidung, für wen sie in welcher Situation sinnvoll ist. Genau hier setzte die Schulung an: Wie wählen wir einen passenden Ausgangstest? Was verändern wir anschließend? Und wie lässt sich erkennen, ob sich die Aufgabe dadurch leichter, unverändert oder schwieriger ausführen lässt?
Der Showroom der Kanzlsperger GmbH in Ortenburg bot dafür ein passendes Umfeld. Helle Räume, praktische Ausstattung und die herzliche Versorgung mit Getränken und Snacks ließen Raum für konzentriertes Lernen und viele eigene Erfahrungen.
Die Inhalte: vom Verständnis zur praktischen Entscheidung
1. Neurologie verständlich machenInput, Verarbeitung und Output bildeten den roten Faden: Welche Informationen kommen an, wie werden sie verarbeitet und welche Bewegung oder Reaktion beobachten wir? Dazu gehörten das Vorhersage-Prinzip und Grundlagen der funktionellen Neuroanatomie. Ziel war ein verständlicher Zugang, auf dem die praktische Arbeit aufbauen konnte.
2. Einen aussagekräftigen Vergleich schaffenWir beschäftigten uns mit Bewegungsumfang, Gangbild, Muskeltests, Koordinationsaufgaben und reflexiver Stabilität. Hinzu kamen ausgewählte Aufgaben für Augen und Gleichgewicht, etwa Konvergenz und Blickstabilisierung. Dabei ging es nicht darum, möglichst viele Tests zu sammeln, sondern einen zur Fragestellung passenden Vergleich zu wählen.

Vor-Test → gezielter Reiz → gleicher Nach-Test. Erst der erneute Vergleich zeigt, ob die gewählte Variante für diese Aufgabe unmittelbar hilfreich erscheint.
3. Körperwahrnehmung, Gleichgewicht und Sehen unterscheidenPropriozeption: Informationen aus Muskeln und Gelenken sowie die Wahrnehmung von Stellung und Bewegung.

Vestibuläres System: Aufgaben zu Gleichgewicht, Kopfbewegung und räumlicher Orientierung.

Visuelles System: Blickaufgaben und unterschiedliche visuelle Bedingungen, unter anderem Versuche mit roten und blauen Brillen.
4. Einblick in neurofunktionelle IntegrationEin weiterer Teil stellte die Neurofunktionelle Integration nach Dr. Philip Eckardt vor. Hier wurde die gezielte Suche nach einer Reizkombination erklärt, unter der eine zuvor auffällige Testreaktion verändert werden kann. Eine solche Integration und die anschließende Auswahl eines Trainingsreizes sind unterschiedliche Arbeitsschritte.
5. Verschiedene praktische Zugänge erprobenAtemaufgaben, Übungen mit mehreren gleichzeitig beteiligten Sinnessystemen und neuromechanische Bewegungen ergänzten das Programm. Entscheidend blieb auch hier die individuelle Reaktion. Eine anspruchsvollere Übung ist nicht automatisch die passendere.
Aha-Momente: wenn eine kleine Veränderung im Vergleich auffällt
Besonders in Erinnerung geblieben ist mir eine Teilnehmerin, bei der sich nach Mobilisationsübungen am Sprunggelenk mehrere der zuvor geprüften Aufgaben günstiger zeigten. Auch bei den Versuchen mit roten und blauen Brillen beobachteten wir kurzfristige Veränderungen der Bewegungskoordination.
Der spannende Teil ist nicht das Hilfsmittel alleinAus solchen Beobachtungen folgt nicht „Jeder braucht Sprunggelenksübungen“ oder „Diese Brillen verbessern jede Koordination“. Interessant ist der konkrete Vergleich: Welche Aufgabe verändert sich bei dieser Person unter dieser Bedingung? Genau daraus entsteht die nächste sinnvolle Frage.
Die unmittelbaren Unterschiede machten die Theorie greifbar. Ob eine Veränderung im Alltag bestehen bleibt, wird erst durch weitere Vergleiche und Anwendung sichtbar. Für den Workshop waren die Beobachtungen ein guter Ausgangspunkt, um über Auswahl, Dosierung und Wiederholbarkeit zu sprechen.
Was die Teilnehmer mitgenommen haben
In den Rückmeldungen wurden der Ansatz und die praktischen Erfahrungen als spannend und hochinteressant beschrieben. Besonders die Möglichkeit, Veränderungen unmittelbar zu vergleichen, stieß auf Interesse. Gleichzeitig forderte die hohe Informationsdichte viel Konzentration – bei einem komplexen Thema gehört die Frage nach einem klaren roten Faden immer dazu.
Für mich ist der nächste Schritt besonders wertvoll: Was lässt sich davon im eigenen Arbeitsalltag umsetzen? Welche Aufgaben lassen sich gut vergleichen, und wo braucht es mehr Übung oder eine weitere Differenzierung? Auf diesen Austausch freue ich mich.
Danke für Organisation, Ausstattung und Austausch
Ein herzliches Dankeschön an das Team der Kanzlsperger GmbH und besonders an Anita Cermakova für die Organisation und die Unterstützung vor Ort. Danke auch an Astrid Büscher und ARTZT Neuro für Vermittlung, Organisation und das bereitgestellte Equipment.
Und danke an alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer für die Fragen, das Ausprobieren und die Offenheit, vertraute Bewegungs- und Trainingsaufgaben aus einem weiteren Blickwinkel zu betrachten.
Von einer interessanten Übung zu einem nachvollziehbaren VorgehenDas ist mir auch in meiner heutigen Arbeit mit Angewandter Neurofunktion wichtig: Du sollst verstehen, was wir prüfen und weshalb daraus ein bestimmter nächster Schritt entsteht. Im Erstgespräch können wir klären, wie dieser Ansatz zu deiner eigenen Situation oder zu einer Schulung für dein Team passen könnte.

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